Ist Vinylboden leitfähig?
Standard-Vinylboden ist in der Regel kein leitfähiger oder ableitfähiger Boden. Meist wirkt er isolierend, ist jedoch häufig antistatisch. Für spezielle Anforderungen gibt es jedoch ableitfähige oder leitfähige ESD-Vinylbeläge. Ableitfähige Beläge (SD – Static Dissipative) liegen typischerweise im Widerstandsbereich von etwa 1 × 10⁶ bis 1 × 10⁸ Ω. Leitfähige Beläge (EC – Conductive) weisen meist Werte zwischen etwa 5 × 10⁴ und 1 × 10⁶ Ω auf.
Damit diese Eigenschaften dauerhaft und zuverlässig gewährleistet sind, ist in der Regel ein Systemaufbau erforderlich – etwa mit leitfähigem Klebstoff und einem Erdungsanschluss an das Erdpotential, beispielsweise über ein Kupferband.
Was ist eine geeignete Boden(ab)leitfähigkeit?
Die geeignete Ableitfähigkeit eines Bodens hängt vom jeweiligen Einsatzbereich sowie von Nutzer- und Normvorgaben ab. Neben elektrostatischen Anforderungen muss der Bodenbelag gegebenenfalls auch weitere Anforderungen erfüllen, zum Beispiel in Bezug auf Reinraumtauglichkeit, Chemikalienbeständigkeit oder Staplereignung.
In vielen ESD-Kontrollprogrammen gilt ein Erdableitwiderstand (RTG) von < 1 × 10⁹ Ω als Obergrenze. Niedrigere Werte können gefordert sein und führen zu einer schnelleren Entladung.
Allerdings ist ein niedrigerer Erdableitwiderstand nicht in jedem Fall besser. In Bereichen, in denen mit offener Netzspannung gearbeitet wird – etwa in Prüffeldern von Batterieräumen – muss ein Mindestwiderstand zum Schutz von Personen vor möglichem Stromschlag eingehalten werden. Ziel ist hier eine kontrollierte Ableitung und nicht eine möglichst hohe Leitfähigkeit.
Was ist eine geeignete Boden(ab)leitfähigkeit?
In Bereichen, in denen elektrostatisch gefährdete Bauelemente geschützt werden müssen, gelten die Anforderungen der DIN EN 61340-5-1 verbindlich. Zum Schutz empfindlicher Bauteile wird eine Bodenkonstruktion gefordert, die einen Erdableitwiderstand von unter 1 × 10⁹ Ω aufweist. Die hierfür verwendete Prüfelektrode ist in der Norm DIN EN 61340-4-1 beschrieben.
Soll die primäre Erdung des Personals über die Bodenkonstruktion erfolgen, empfiehlt die DIN EN 61340-5-1 für das Gesamtsystem aus Mensch, Schuhwerk und Bodenbelag einen Systemwiderstand von < 10⁹ Ω sowie eine Körperspannung von < 100 V. Die Messmethode für diese Anforderungen ist in der Norm DIN EN 61340-4-5 beschrieben.
Wofür steht ESD-Bodenbelag?
ESD steht für „Electrostatic Discharge“, also elektrostatische Entladung. Ein ESD-Belag ist ein Bodenbelag, der dafür ausgelegt ist, elektrostatische Entladungen zu kontrollieren und sicher abzuleiten. Dadurch können empfindliche elektronische Bauteile sowie Produktionsprozesse geschützt werden.
Wofür steht ESD-Bodenbelag?
Zu den wichtigsten Normen im Bereich ESD gehören unter anderem:
• IEC 61340-5-1 / DIN EN IEC 61340-5-1 – ESD-Kontrollprogramm für elektronische Bauteile
• IEC/EN 61340-4-1 – Messung elektrischer Widerstände von ESD-Bodenbelägen
• IEC/EN 61340-4-5 – Walking-Test zur Prüfung des Schuh-/Boden-Systems (Systemwiderstand und Aufladungsspannung)
• EN 1081 – elektrischer Widerstand von elastischen, Laminat- und MMF-Belägen
• EN 1815 – Beurteilung der elektrostatischen Aufladung (Gehprüfung)
• ISO 6356 – Gehspannungsprüfung für textile Bodenbeläge
Für spezielle Anwendungsbereiche gelten weitere Regelwerke, etwa IEC TS 60079-32-1 für elektrostatische Gefährdungen in explosionsgefährdeten Bereichen, VDE 0100 zum Personenschutz durch Standortisolation sowie EN IEC 62485-2 für Sicherheitsanforderungen in Batterieräumen und -anlagen.
Ist ESD das Gleiche wie antistatisch?
Nein, ESD und antistatisch sind nicht dasselbe.
Antistatischer Boden reduziert lediglich die elektrostatische Aufladung beim Begehen des Bodens, sodass die Körperspannung geringer ausfällt. Ein ESD-Boden hingegen verfügt zusätzlich über einen definierten Ableitpfad mit festgelegtem Widerstandsbereich. Daher bedeutet antistatisch nicht automatisch, dass ein Bodenbelag ESD-geeignet oder geerdet ist.
Was sind antistatische Bodenbeläge?
Antistatische Bodenbeläge sind Beläge, bei denen im Allgemeinen keine störenden elektrostatischen Aufladungen entstehen. Nach DIN EN 14041 gelten elastische und textile Bodenbeläge als antistatisch, wenn sie im Begehversuch gemäß EN 1815 beziehungsweise ISO 6356 eine Personenaufladung von maximal 2,0 kV aufweisen.
Was ist ein leitfähiger Boden?
Ein elektrisch leitfähiger Bodenbelag ist ein Boden mit sehr niedrigem elektrischem Widerstand, der elektrostatische Ladungen sehr schnell zur Erde ableitet. Nach DIN EN 14041 gelten Bodenbeläge als leitfähig, wenn ihr Erdableitwiderstand maximal 1 × 10⁶ Ohm beträgt. Beispiele dafür sind leitfähige Vinylbeläge wie
Sphera EC oder
Colorex EC von Forbo.
Was ist der Unterschied zwischen leitfähig und ableitfähig?
Der Unterschied liegt im Widerstandsbereich der Materialien. Leitfähige Bodenbeläge haben einen Widerstand von < 1 × 10⁶ Ω, während ableitfähige (dissipative) Bodenbeläge im Bereich von 1 × 10⁶ bis < 1 × 10⁹ Ω liegen.
Ableitfähige Böden sorgen für eine kontrolliertere und langsamere Ableitung elektrostatischer Ladungen. Leitfähige Böden ermöglichen dagegen eine schnellere Ableitung, erfüllen jedoch unter Umständen nicht die Anforderungen an Standortisolation oder Personenschutz.
Was ist ein ableitfähiger Boden?
Ein elektrisch ableitfähiger Boden ist ein Bodenbelag mit definierter elektrostatischer Ableitfähigkeit (static dissipative). Der typische Widerstandsbereich liegt zwischen 1 × 10⁶ und < 1 × 10⁹ Ω. Beispiele für solche Bodenbeläge sind
Sphera SD oder
Colorex SD sowie
Nadelvlies Forte und
Marmoleum Ohmex mit Widerstandswerten von etwa 1 × 10⁶ bis 1 × 10⁸ Ω.